Vielleicht ist euch das auch schon mal passiert: ihr loggt euch in die Google Webmaster Tools (GWT) ein um unter dem Punkt Dashboard > Tools > URLs entfernen eine Webseite aus dem Index entfernen zu lassen. Nachdem der Antrag zur Löschung dann digital eingereicht wurde, dauert es meist ein paar Tage, bis man Antwort bekommt. Sehr häufig wird die Löschung jedoch abgelehnt mit der Begründung, das noch andere Webseiten auf die zu löschende Webseite verweisen. Man möge sich doch bitte mit den entsprechenden Webmaster in Verbindung setzten und dort um Löschung bitten.
Ich habe mit meinem Kontakt bei Google mal darauf angesprochen und bekam die Antwort, das es sich dabei um Googles sogenannte Dictator Policy handelt. Der Hintergrund ist, das niemand kurzzeitig eine Webseite publizieren und diese dann später spurlos wieder verschwinden lassen kann. Das könnte zum Beispiel eine politische Propaganda-Webseite sein. Wird die Seite von irgendwo her verlinkt oder ist der Google Cache Snapshot gemacht, so ist die Löschung über die GWTs nicht mehr möglich.
Dieser Mechanismus greift weltweit in den GWTs, entwickelt wurde er für Staaten für die das Medium Internet noch recht jung ist. Gerade hier kann eine gezielte Meinungsmache viel bewegen bzw. viel Schaden anrichten. Es handelt sich meiner Meinung nach also primär um einen Schutzmechanismus, damit Informationen eine Zeitlang erhalten und damit überprüfbar bleiben.
Werden die Seiten manuell gelöscht und Google bekommt einen 404 Statuscode zurück, fallen die Seiten automatisch irgendwann aus dem Index. Genauso können die Seiten redirected werden, auch hier wird der Cache Snapshot irgendwann mit dem neuen Ziel überschrieben. Auch kann man es mit Googles Removal Tool versuchen. Es geht wie gesagt nur um die sofortige Löschung aus dem Google Index mithilfe der Google Webmaster Tools.
Was sagt Ihr zu Googles Dictator Policy? Ein sinnvoller Mechanismus oder Datensammelwut?
Interessant. Diese Sichtweise hatte ich vorher noch nie gehört und deswegen auch nicht drüber nachgedacht.
Allerdings überwiegt bei mir auch nach einigem Nachdenken noch die Überzeugung des menschlichen Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung. Dass eine staatliche Autorität Daten über mich oder Aussagen von mir so lange sammelt, wie sie das für gut befindet - nun ja, das ist nun mal der Souverän und das Recht des Staates. Dass aber jemand außer dem Staat selbst über meinen Kopf hinweg bestimmt, was er/sie wie lange aufbewahren will und selbst meine Aufforderung zum Löschen ignoriert…? Nein, das geht mir dann doch ein wenig zu weit.
Nicht, dass ich da Google böse Absichten in Richtung Daten-Sammelwut unterstelle, denn sicher gibt es Situationen, in denen es “besser” wäre, wenn etwas nicht einfach so gelöscht werden kann. Aber das einfach so zu verallgemeinern und gleich als weltweite Policy zu verankern? Find ich persönlich nicht gut.
Naja, ob die Begründung von Google sachlich richtig ist, kann ich nicht beurteilen.
Ich würde einen anderen positiven Aspekt sehen: Sollte jemand unberechtigter Weise den Zugang zum WMT erlangen, könnte er ja mit einem Schlag alle Seiten der Domain aus dem Index kicken. So gesehen sehr beruhigend, dass dies nicht geht.
Dies müsste dann aber für alle Seiten gelten und nicht nur diejenigen, die bereits Links haben oder im Google-Cache stehen. Gerade letzteres leuchtet mir nicht ein. Wie lange dauert es im Regelfall denn, bis eine Seite, die im Google-Index ist, auch einen Cache hat? Doch nur sehr kurz, oder? Und ich müsste ja genau in dieser kurzen Zeitspanne den Löschbefehl geben, was mir vermutlich doch eher selten gelingen dürfte. Daher erscheint mir die Lösch-Funktion sowieso nicht so richtig sinnvoll.
Außerdem kann ich mir eine Menge berechtigter Anliegen vorstellen, eine URL löschen zu wollen, z.B.: Fehlerhafte Inhalte, Verstöße gegen UWG, Markenrechtprobleme, versehentlich veröffentliche Daten usw. Dabei meine ich jetzt, dass dies durch ein Versehen oder kriminelle Handlung eines Dritten passiert ist. Wie macht Google das dann? Kann ich beim Löschen eine Begründung angeben, die ein Mitarbeiter von Google dann prüft? Kann der das überhaupt beurteilen? Oder wird die Löschung generell abgelehnt?
Den o.g. - vermutlich unbeabsichtigten - Sicherheitaspekt finde ich gut, ansonsten m.E. eher eine fragwürdige Policy.
über den google Cache habe ich schon die ein oder andere Seite noch “erreicht” bzw. lesen können obwohl diese gerade down war oder ganz gelöscht. Hilfreich ist das auch bei Foren die einen nur X Threads lesen lassen wollen, google hat sie immer alle (wobei ich nicht weiß, wie sie diese sperre umgehen).